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27.03.2018

Die Kultur des Ruhrgebiets - Den Pott zum Glänzen bringen

Ein leidenschaftliches Gespräch über die Chancen, Möglichkeiten und Herausforderungen der Kultur im Ruhrgebiet im Projekt „Glückauf Zukunft - Aus Herkunft Zukunft leben“ in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg

Das Ruhrgebiet durchläuft einen der größten Transformationsprozesse der Welt. 2018 schließt mit Prosper-Haniel das letzte Bergwerk in Deutschland. Wie kann die damit verbundene Kultur genutzt und gefördert werden, auch um eine neue, weiterentwickelte Identität für die Region und die Menschen nach dem Ende des Bergbaus zu schaffen? Der Intendant des Klavierfestivals Ruhr, Professor Franz Xaver Ohnesorg, der Intendant des Schauspielhauses Bochum und künftige Chef der Ruhrfestspiele, Olaf Kröck und Prof. Dr. Hans-Peter Noll, Vorstandsmitglied der Stiftung Zollverein und jahrzehntelanger Chef-Flächenentwickler der RAG, diskutierten bei einer Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Glückauf Zukunft – Aus Herkunft Zukunft leben“ in der Wolfsburg leidenschaftlich über die Ruhrgebietskultur und ihre Potenziale für die Zukunft der Region und ihrer Bewohner. Mit diesem hochkarätig besetzten Podium blieb keine Frage der zahlreichen interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer unbeantwortet - ein aufschlussreicher Abend für alle Beteiligten!

Die drei Diskussionspartner einigten sich schnell auf die Einzigartigkeit der Region, die besonders von den Menschen ausgeht. „In Wien haben die Zuschauer schon fast alles gesehen, das ist hier anders“, so Kröck. Die Möglichkeit etwas Neues auszuprobieren, sei ein großes Potenzial der Region, denn das vielfältige Publikum des Ruhrgebietes stehe für Offenheit, Neugierde und eine starke Meinung. Die Menschen vor Ort seien einzigartig und hätten einen gesunden Anspruch auf eine gute Leistung. „Das Ruhrgebiet ist sehr interessant für Kulturinteressierte, denn in kaum einer Region kann man innerhalb einer Stunde so viele, unterschiedliche Orte erreichen.“, erklärte Noll. Er sieht viel Potenzial für das Ruhrgebiet als Kulturregion: „Wir müssen den Standort Ruhr neu bespielen. Mit dem Gründerzentrum und vielen weiteren neuen Akteuren und Ansiedlungen auf Zollverein wird das gesamte Gelände wieder zur zentralen Plattform und Ideenschmiede im Ruhrgebiet“.

„Die Menschen hier sind gut"

„Viele Menschen nehmen uns als Weltklasse wahr“ berichtete Ohnesorg. In einem Gespräch mit Henry Kissinger, US-Außenminister a.D., wurde er sogar auf das Klavierfestival angesprochen. Gleichwohl gibt es noch Potential in der Vermittlung und Außendarstellung: „Der Blick richtet sich immer wieder nach Berlin und München. Manchmal habe ich das Gefühl, das Publikum im Ruhrgebiet hat noch nicht verstanden, was für einen großen Namen als Kulturregion wir bereits in der weltweiten Öffentlichkeit haben. Wir müssen uns nicht ständig wie im Wettkampf vergleichen. Immerhin machen wir Kunst und nicht Olympia“, nahm Kröck Stellung. Die Kulturdichte im Ruhrgebiet sei groß, die Veränderungen überall spürbar.

„Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel"

Mit Blick auf die Stadtteile der Region mit besonderem Erneuerungsbedarf wies Ohnesorg auf die gesammelten, praktischen Erfahrungen aus der von ihm initiierten, preisgekrönten Education-Arbeit des Klavierfestivals hin: „Musik, Kunst und Bewegung sind unerlässlich, wenn Sprachbarrieren Kommunikation erschweren“, erklärte Ohnesorg. Hier geschieht Wandel durch Kultur und Kultur durch Wandel. Noll wies ergänzend auf das große Wirkungspotential der Kultur hin: „Große Kulturveranstaltungen und Kulturorte können die Initialzündungen sein, um etwas auch langfristig in Bewegung zu setzen.“

Letztlich warben alle drei Podiumsgäste für einen breiten Dialog zwischen Kulturschaffenden und Kulturkonsumenten im Ruhrgebiet: „Wir möchten, dass alle von Ihnen positive Kulturbotschafter unserer Region sind!“ (JJ)