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03.05.2017

Die Zinspolitik der EZB

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ist in den vergangenen Jahren durch eine enorme Expansivität geprägt: Häufig hört man hier im öffentlichen Diskurs den Begriff der „ultralockeren Geldpolitik“. Welche Probleme schafft eine solche Zentralbankpolitik? Wem hilft sie, wem schadet sie und was für Anreize setzt sie? Diese und viele weitere Fragen diskutierten die Wolfsburg und die Bank im Bistum Essen im neuen BIB-Forum mit den Referenten des Abends und einem vollbesetzten Auditorium.

Die von Mario Draghi und der EZB gestaltete Geldpolitik war und ist in den zurückliegenden Jahren ganz intensiv von der Sorge vor einer möglichen Deflation geprägt. Aus dieser Sorge heraus wird mit den unterschiedlichsten Maßnahmen Geld in die Märkte geleitet, um besonders die Konsummöglichkeiten auszuweiten. Die Staatshaushalte der Euro-Staaten werden entlastet da sie beispielsweise kaum Zinsen auf ihre Schulden zu zahlen haben. Wer allerdings spart, ist durch die „klassischen Anlageformen“ kaum in der Lage, die momentanen Inflationsentwicklungen wieder auszugleichen, geschweige denn eine gewisse Rendite auf Erspartes zu erzielen. Dies schafft besonders dort Sorgen, wo Menschen langfristig ihr Geld anlegen wollen und setzt die Banken unter Druck, die sich im klassischen Kundengeschäft bewegen.

Die zinsgetriebene Geldpolitik gelangt an ihre Grenzen und die Märkte stärker in eine defensive Rolle der Reaktionen. Die Staaten sind besonders in der Verantwortung durch kluge und abwägende Fiskal- und Sozialpolitiken die Auswirkungen abzufangen und positive Anreize zu setzen. Dort wo Immobilienüberwertkäufe geschehen und Mieten vor allem in Metropolregionen ansteigen lassen, ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sozialen Herausforderungen zu meistern. Die Verteilung der Steuerlasten muss stärker wieder Einzug in den öffentlichen Diskurs finden. Und: Eine gesamteuropäische Verantwortung muss dabei das einzelstaatliche Handeln stärker prägen. (Hen)

Fotos: Bank im Bistum Essen

"Podiumsdiskussion des Abends mit: v. l. n. r. Manfred Sonnenschein, Vorstandsmitglied BIB Essen; Tobias Henrix, Akademiedozent; Dr. Ulrich Thielemann, Direktor MeM Denkfabrik für Wirtschaftsethik; Davif F. Milleker, Chefvolkswirt Union Investment; Thomas Homm, Abteilungsleiter Vermögensmanagement BIB Essen

"Begrüßung durch Manfred Sonnenschein, Vorstandsmitglied BIB Essen"

"Vortrag von David F. Milleker, Chefvolkswirt Union Investment"

"Vortrag von Dr. Ulrich Thielemann, Direktor MeM Denkfabrik für Wirtschaftethik"