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22.02.2018

Du und ich und ich und du - Freundschaft in der Kinder- und Jugendliteratur

120 Kinder- und Jugendliteraturbegeisterte beschäftigten sich im Rahmen der 30. Kinder- und Jugendbuchtagung SPURENSUCHE in der Wolfsburg mit der „Freundschaft im Kinder- und Jugendbuch“.

Im Gespräch mit einer Jugendpsychiaterin, einem Soziologen und einem Priester wurde der Begriff der Freundschaft aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Allgemeingültige und verbindliche Kriterien zur Definition des Begriffs gibt es nicht. Denn Freundschaft ist ein sehr individuelles Geschehen, das stets individuell definiert wird. Aber Annäherungen an den Begriff sind dennoch möglich. So zeigte die Diskussion, dass Freundschaft in der Regel mit Vertrauen, Geborgenheit, Respekt und bedingungsloser Annahme verknüpft ist. Auch eine gewisse Nützlichkeit kann ihr zugeordnet werden. Denn sie bereichert das Leben und wirkt sinnstiftend. Sie entsteht oft zufällig durch gleiche Interessen oder auch Lebensphasen und ist eine freiwillige Beziehung, die gestaltet und gepflegt werden muss. Das Ende einer Freundschaft ist oft schleichend, weil sich Lebensumstände ändern. In der Kinder- und Jugendliteratur wird der Begriff der Freundschaft sehr konkret thematisiert.

Literatur spiegelt immer das Selbstverständnis von Freundschaft in ihrer Zeit wider, präsentiert sehr unterschiedliche Freundschaftsmodelle und zeigt, dass es wenig Hindernisse für eine Freundschaft gibt. Nur eine sich stark unterscheidende (moralische) Haltung kann Freundschaften erschweren.

Literarische Qualität ist immer dann gegeben, wenn das Buch Identifikationsmöglichkeiten aufzeigt ohne pädagogischen Impetus, wenn eine persönliche Weiterentwicklung, die Entdeckung eigener Stärken sowie die Entwicklung einer anderen Sicht auf die Dinge ermöglicht wird.

Im Kontext der Genderfrage wurde jedoch deutlich, dass Kinder- und Jugendliteratur zwar eine wichtige Sozialisationsinstanz darstellt, der Massenmarkt jedoch derzeit durch eine gezielte Buchproduktion leider zur Entwicklung klassischer und überwunden geglaubter geschlechts-spezifischer Rollen beiträgt.

Lesungen mit den preisgekrönten AutorInnen Susan Kreller, Stefanie Höfler und Christian Duda bestätigten schließlich in der Literarischen Nacht die Ergebnisse aus den Vorträgen und Workshops auf sehr lebendige und unterhaltsame Weise. Es gibt eben auch ganz großartige Texte zur Freundschaft, man muss sie nur entdecken.

(Vera Steinkamp)