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Druckdatum: 22. Januar 2018 - 18:57 Uhr
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12.01.2018

Eine Partnerschaft auf Augenhöhe

Durch die Zunahme extremer Wetterphänomene wie Dürren oder Überschwemmungen sind besonders die 70 Prozent der Menschen in Afrika, die von der Landwirtschaft leben, in ihrer Existenz bedroht. Zudem wird die Frage des Zugangs zu sauberem Wasser zur weltweit häufigsten Konfliktursache. Um diese Probleme zu lösen, ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Europa und Afrika erforderlich. Das forderte Heidemarie Wieczorek-Zeul bei einem Diskussionsabend in Mülheim.

Experten diskutierten in der Wolfsburg über Folgen des Klimawandels in Afrika

In der Katholischen Akademie Die Wolfsburg diskutierte die ehemalige Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gemeinsam mit dem Klimatologen Professor Cyrus Samimi und Dorothee Klüppel vom Hilfswerk Misereor über die Folgen des Klimawandels und darüber, welche Maßnahmen die Situation in Afrika verbessern könnten.

In ihrem einleitenden Vortrag mahnte Wieczorek-Zeul eine intensive Auseinandersetzung mit der Situation in Afrika an. Sowohl die besonders betroffenen Länder, als auch die Weltgemeinschaft müssten erkennen, dass nur eine Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit die derzeitigen Probleme lösen könne. Die UN-Nachhaltigkeitsentwicklungsziele müssten stärker ins Bewusstsein der Menschen gerufen werden. Zugleich müsste Europa den Ausbau erneuerbarer Energien in Afrika fördern, Fluchtursachen bekämpfen und seine Offenheit bewahren: „Eine Festung bringt keine Sicherheit. Nur wenn wir solidarisch für die Gerechtigkeit in der Welt eintreten, sind wir glaubwürdig.“

Kritisch äußerte sich Wieczorek-Zeul über die Berichterstattung über Afrika. Während der Kontinent in den vergangenen Jahrzehnten viele Fortschritte gemacht habe, sei die öffentliche Wahrnehmung fast ausschließlich auf die negativen Entwicklungen beschränkt.

Afrika trifft keine Schuld am Klimawandel

Professor Cyrus Samimi machte deutlich, dass Deutschland sich mehr anstrengen müsse, um seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden: „Afrika trifft keine Schuld am Klimawandel. Deshalb müssen wir Afrika unterstützen und mit gutem Beispiel vorangehen“. Dazu seien Veränderungen notwendig. Deutschland wird keines seiner Klimaziele für 2020 erreichen. Gleichzeitig werden Waren billig im Ausland produziert. Das dabei anfallende CO2 müsse eigentlich der deutschen Klimabilanz zugerechnet werden.

Der Klimatologe machte auch deutlich, dass die Situation in Afrika nicht vorrangig dem Klimawandel geschuldet ist. Nach langen Dürrephasen in den 1970er Jahren würden sich die Niederschläge jetzt erholen, wenngleich sie nicht das vorherige Niveau erreichen und weniger zuverlässig seien. Abgesehen vom als sicher geltenden Temperaturanstieg durch den Klimawandel seien weitere Folgen noch nicht absehbar.

Anpassungen unterstützen

Trotz weltweiter Programme zur Hungerbekämpfung leiden noch immer 800 Millionen Menschen unter Hunger und weitere 2 Milliarden Menschen unter Mangelernährung. Die Aufgabe der reichen Länder müsse es sein, diese Menschen zu unterstützen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Dafür tritt das Hilfswerk Misereror gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen in Afrika und anderen Regionen der Erde ein. Ein wesentlicher Bestandteil sei dabei die Unterstützung bei der Reaktion an das sich verändernde Klima, machte Klüppel deutlich.

Dass die Menschen in Afrika grundsätzlich an die wechselnden Wettersituationen angepasst sind, betonte Samimi. Zirkuläre Migration sei seit jeher ein Phänomen, um mit regionalen Wetterkatastrophen umzugehen. Entscheidend dafür ist aber Freizügigkeit auch über Grenzen hinweg. Die aktuelle Tendenz in Afrika, Grenzen zu errichten und so die Migration zu unterbinden, könne zu großen Problemen führen.

Strategien zur Problemlösung

Um die Probleme zu lösen, seinen dauerhafte Beziehungen notwendig, so Wieczorek-Zeul. Nicht nur der Ausbau erneuerbarer Energien, sondern auch der Aufbau der Wirtschaft könnten dazu beitragen, die Situation zu verbessern. Lösungen könnten dabei nur weltweit erarbeitet werden. So müsse beispielsweise auch China mit in die Verantwortung genommen werden, um eine weltweite nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Daneben, so Klüppel, sei eine weitere Entwicklungszusammenarbeit notwendig. Wichtig sei dabei, dass viel von den Menschen in Afrika selbst geleistet wird. Im Sinne einer partnerschaftlichen Kooperation könne Europa in Afrika bei Themen wie Bildung und Regierungsführung unterstützend tätig werden. Für diese Partnerschaft sei entscheidend, den Partner tatsächlich wahrzunehmen. Dazu hätten die sogenannte Flüchtlingskrise in Deutschland sowie die Sorge vor dem fortschreitenden Klimawandel in den letzten Jahren intensiv beigetragen. (lk)

Fotos: Ludger Klingeberg | Die Wolfsburg

Fotos: Ludger Klingeberg | Die Wolfsburg