Druck starten

Seite: http://die-wolfsburg.de/aktuelles/detail.html
Druckdatum: 24. Mai 2018 - 04:00 Uhr
Navigation: Die Wolfsburg / Aktuelles

02.05.2018

Gespräche der Karmeliterinnen in 4D

Eigentlich gibt es ja keine vierte Dimension, doch wenn, hätte diese Tagung sie erschlossen, denn die Oper von Francis Poulenc um 16 Karmeliterinnen, die im Terreur der französischen Revolution singend aufs Schafott gehen, wurde von allen Seiten gespiegelt.

Die Musik und das Leben Poulencs brachte Leonie Reineke nahe, die Spiritualität und Geschichte der Karmeliter ließ Prof. Michael Plattig lebendig werden. Dr. Matthias Keidel gab Gertrud von Le Forts Urtext seine Stimme und zeichnete den Weg der Textentstehung nach. Eine Verfilmung aus den 60er Jahren zeigte den Zeitgeist und damaligen Blick aufs Martyrium. Der Dramaturg des Musiktheater im Revier, Stephan Steinmetz, stellte die Besonderheiten seines Hauses vor, das häufig auch religiöse Fragen aufgreift und inszeniert. Dank seiner genauen Erläuterung, welche Rolle das Bühnenbild spielt und welche Bedeutung die großen Schattenfiguren haben, die die Darsteller überragen - als Angstchiffren und Innenbilder der Schwester Blanche - war es am Abend möglich, viel mehr Details zu entschlüsseln und die großen Bögen mitzuerleben, die die gelungene Inszenierung und musikalisch starke Aufführung am MIR auszeichnen. Im Gespräch mit der Dramaturgie konnte Klaus Kleffner als versierter Kenner der karmelitischen Spiritualität kompetent Auskunft geben zu theologischen Zusammenhängen der Geschichte, die eben auf einer wahren Begebenheit beruht.

Ein besonderes Highlight war dann der Besuch im Essener Karmel, wo die Nonnen, die dort in strenger Klausur leben, sogar die heilige Messe mit der Gruppe zusammen feierten und anschließend zum Gespräch in ihrem Fachwerkhaus einluden. Was für eine Begegnung! Nach Musik, Text, Film und Geschichte die direkte Begegnung mit den Karmelitinnen, die auch schon Kontakt mit den Sängerinnen des Stücks gehabt haben. Genau wurde gefragt, wie der tägliche Lebensablauf im Kloster abläuft und auf die Frage, ob Karmelitinnen nicht auch einmal "in Urlaub" fahren möchten, hieß es: "Kein Verlangen!" Der Alltag ist erfüllt genug.

Umso eindrücklicher war dann das Opernerlebnis am Abend in Gelsenkirchen und das anschließende Gespräch mit Dirigent, Dramaturg und der Sängerin der Oberin, als einer der Hauptrollen. Die Teilnehmenden waren sich einig: so eine umfassende Operntagung mit so vielen Aspekten hat es noch nicht gegeben, 4D eben. (Kei)

Bildnachweis: © Carl und Monika Foster, MIR

Bildnachweis: © Carl und Monika Foster, MIR