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15.03.2018

Herausforderung Islamismus. Wie ist den religiösen Extremisten zu begegnen?

Obwohl der „Islamische Staat“ aufgrund des Widerstands einer breiten internationalen Militärallianz als Territorialmacht in Syrien und im Irak als gescheitert gelten kann, ist in Europa die islamistische Bedrohung keineswegs verschwunden. Nach wie vor verzeichnet z.B. die salafistische Szene, die eine Scharnierstelle zum gewalttätigen Jihadismus darstellt, insbesondere unter Jugendlichen Zulauf.

Zum Studientag, der in Kooperation mit dem Arbeitskreis Interreligiöser Dialog im Bistum Essen stattfand, kamen rund 60 Teilnehmende in die Wolfsburg, darunter zahlreiche Polizeibeamte sowie Hauptamtliche aus kommunalen, sozialen und kirchlichen Einrichtungen. Der Studientag widmete sich den Herausforderungen, vor die der militante Islamismus Staat und Gesellschaft in Deutschland gegenwärtig stellt.

So informierte zunächst der Politik- und Islamwissenschaftler Thorsten Gerald Schneiders über die religiösen und historischen Grundlagen insbesondere der salafistischen Ideologie und ging dabei auch der Frage nach, inwieweit diese mit der islamkritischen Haltung der politischen Rechten korrespondiert. Hier stand u.a. die Frage im Zentrum, wo die Grenze zwischen sachlicher Islamkritik und polemischer Islamfeindlichkeit verläuft. Schneiders gewährte ebenso wie der Islamwissenschaftler Volker Trusheim, Referent beim Verfassungsschutz NRW, Einblicke in die Erlebniswelt sowie in die Propaganda- und Rekrutierungsmethoden der salafistischen Szene. Trusheim widmete sich in seinem Vortrag darüber hinaus vor allem Personen, Strukturen und Aktionen der islamistischen Szene in Deutschland, die NRW-weit rund 3.000 Personen umfasse.

Claudia Dantschke von HAYAT Deutschland. Beratungsstelle Deradikalisierung gewährte Einblicke in ihre Arbeit mit Jugendlichen, die sich der islamistischen Szene angeschlossen und sich z.T. äußerst schnell radikalisiert hatten. Diese jungen Frauen und Männer aus ihrer ideologischen und sozialen Abkapselung herauszuholen sei ein hochkomplexer Prozess, der mitunter Jahre dauern könne. Es gelte vor allem, die Betroffenen zunächst auf der emotionalen Ebene anzusprechen, da eine diskursive Auseinandersetzung mit der islamistischen Ideologie in der Regel genau das Gegenteil erreichen würde. Schließlich sei es bei der Begleitung von potenziellen Aussteigern wichtig, für sie alternative soziale Strukturen zu stärken oder gänzlich neu aufzubauen. Nur in Ausnahmefällen könne ein Ortswechsel sinnvoll sein. Insbesondere IS-Rückkehrer, die oft die meisten Kontakte zu Familienangehörigen und Freunden abgebrochen haben, seien auf diese alternativen Sozialstrukturen angewiesen, um die islamistische Szene irgendwann hinter sich lassen zu können. Erst dann sei es möglich, bei den Betroffenen die bislang vorherrschenden islamistischen Narrative und Deutungsrahmen in Frage zu stellen und schließlich zu durchbrechen. (Ob)  

Bildnachweis: Renáta Sedmáková / fotolia.de

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