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Druckdatum: 21. November 2017 - 05:25 Uhr
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10.11.2017

Rigoletto: packende Story, packender Gesang

Operntagung in der Wolfsburg, das heißt, richtig tief in Stück und Musik eintauchen, um in der Aufführung mehr zu sehen, zu hören und zu fühlen, als wenn man sich nur aus Zufall ins Opernhaus verirrt.

Dieser Plan ist wieder voll aufgegangen, dank der Unterstützung von Markus Tatzig, der zunächst Verdis Leben und Werk vorstellte, um dann in die Inszenierung am Aalto einzuführen. Verdi hat den Stoff von Rigoletto bewusst gewählt, weil er unbedingt einmal einen „Buckligen“ zur Hauptfigur machen wollte. Auch wegen politischer Anspielungen hatte er lange mit der Zensur zu kämpfen, bis das Stück schließlich auf die Bühne kommen konnte. Der internationale Erfolg über so lange Zeit zeigt, wie aktuell die Thematik des überbehütenden Vaters, der gleichzeitig in seiner politischen Rolle als Hofnarr gefangen ist, geblieben ist.

Am Hof kämpft Rigoletto mit harten Bandagen als Gefolgsmann des übergriffigen Herzogs, vor dem keine Frau sicher ist. Seine Tochter versucht er aus den politischen Intrigen herauszuhalten, was jedoch gründlich misslingt. Das Aalto zeigt seine Tochter Gilda als emanzipierte junge Frau, die weiß, was sie tut, als sie schließlich ihr Leben opfert, um den Herzog zu retten, der sonst der Rache ihres Vaters erlegen wäre. Für Rigoletto bricht die Welt zusammen, als er statt des Herzogs seine sterbende Tochter vorfindet.

Wilhelm Tolksdorf deutete kongenial der Motiv der Rache aus und zeigte kultur- und musikhistorisch die Wirkungsgeschichte dieser scheiternden Vaterfigur anhand der Oper Rigoletto. Im Gespräch mit einer Solistin und einem Solisten des Aalto Gesangsensembles rühmte die Gruppe der Tagungsgäste die Anlage der Schlussszene, die Gilda ihren letzten Gesang nicht sterbend im Leichensack, sondern als geistige Vorstellung neben dem Vater stehend vorträgt, ohne je wirklich von ihm gesehen zu werden. (Kei)

Bettina Ranch und Tijl Faveyts in "Rigoletto". Foto: Matthias Jung