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13.03.2018

Abiturienten mit der Wolfsburg im RAG-Trainingsbergwerk – Glückauf Zukunft

„Wollen wir mal schauen, ob noch ein gescheiter Bergmann unter euch ist!“, begrüßte Bergmann Andreas Penzcek die 50 Schülerinnen und Schüler des Bochumer Hildegardis-Gymnasiums, die im Rahmen des Projekts „Glückauf Zukunft – Aus Herkunft Zukunft leben“ das Trainingszentrum Bergbau der RAG in Recklinghausen besuchten.

Zusammen mit seinem Kollegen Oliver Schließer wies er die Schüler in die unverzichtbaren Sicherheitshinweise ein. Die Jacke wurde gegen einen weißen Steigermantel getauscht und der Kopf durch einen passenden Grubenhelm geschützt. Die Schüler hatten sich bereits im Unterricht mit den Ewigkeitsaufgaben im Bergbau beschäftigt. Der praktische Exkurs wurde dankbar genutzt um weitere Informationen aus erster Hand zu erhalten.

Im Zweiten Weltkrieg diente der Standort bereits als Schutzraum für die dort tätigen Bergleute und benachbarten Anlieger. Ab 1975 wurden die Stollen weiter aufgefahren. Die gut erhaltenden Schächte der Schutzräume sollten nicht ungenutzt bleiben und zu einem Lehrbergwerk für die Belegschaft der RAG ausgebaut werden. Mit 1.200 Metern Strecke, unterschiedlichen Gewinnungseinrichtungen, Streckenvortrieben und einem Schacht ist das Trainingsbergwerk der Untertagewelt wirklichkeitsgetreu nachempfunden. So diente das Trainingsbergwerk auch als authentische Filmkulisse. Szenen aus dem „Wunder von Bern“, „Alarm für Cobra 11“ und „Der letzte Bulle“ wurden vor Ort gedreht.

Was in einem echten Bergwerk in oft 1.000 Metern tief unter der Erde verteilt liegt, ist im Trainingsbergwerk auf überschaubarem Raum konzentriert. Die wichtigsten Maschinen und Einrichtungen, von der Gewinnung über den Transport bis hin zur Kommunikations- und Steuerungstechnik durften von den Schülerinnen und Schülern des unter Anleitung der Experten selber ausprobiert werden. Ein Highlight war dabei die Fahrt mit dem Grubenfahrrad. Das für zwei Personen ausgelegte Fahrzeug wurde vom hinteren Fahrer mit Muskelkraft bedient. Der vordere Mitfahrer hingegen durfte sich zurücklehnen und den Fahrtwind genießen. „Das macht richtig Spaß!“, stellten die meisten Schüler begeistert fest. Bergmann Olli sah dies anders: „Nach 8 Kilometern findest du das Grubenfahrrad nicht mehr lustig, sondern du verfluchst es!“.

Der ungeschönte und ehrliche Blick auf die knochenharte Arbeit der Bergmänner war beiden Experten im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern wichtig. „Es ist die eine Sache über den Bergbau zu lesen und sich Bilder anzuschauen, aber wenn man wirklich in den Streben steht, gebückt und beengt, und die Maschinen so laut sind, dass der ganze Kopf schmerzt, dann bekommt man eine ganz andere Vorstellung davon, was ‚malochen‘ wirklich bedeutet.“, stellte einer der Jugendlichen fest. Der Unterschied zwischen dem sauberen Klassenzimmer und der Arbeit unter Tage könnte nicht größer sein.

Mit dem Projekt „Glückauf Zukunft – Aus Herkunft Zukunft leben“ versucht die Wolfsburg junge Menschen mit der Bergbaukultur zusammenzubringen, um der jungen Generation des Ruhrgebiets eine neue Perspektive und einen tieferen Einblick in ihre Kultur und ihre Region zu ermöglichen.
(Jenny Janßen)