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Druckdatum: 19. September 2019 - 01:55 Uhr
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15.05.2019

(das) Talent-Reich

„Ich finde auf die schnelle kein verstecktes Talent von mir.“ Anita sitzt in der Vorstellungsrunde und grübelt, was sie auf die Frage: „Was ist dein geheimes Talent?“ antworten kann. Es ist der erste Tag der Osterakademie 2019.

In der nächsten Woche geht es um Netzwerke. Und um die Teilnehmer selbst. Anita ist 18 Jahre alt und kommt aus Recklinghausen. Ihre Lehrerin hat sie für die Akademie vorgeschlagen, doch als Anita zum ersten Mal das Wort Hochbegabtenwoche hört, gerät sie ins Stocken, zumal sie schon die normale Begabung sie ins Grübeln bringt. Marleen, eine andere Teilnehmerin, muss grinsen: „Ich dachte: Toll, jetzt sitze ich da mit Leuten mit einem IQ über 1000 in einem Raum und weiß gar nichts.“

Nach den ersten Programmpunkten merken beide, dass hier doch ganz „normale“ Menschen sitzen. Dass es hier nicht darum geht, wie hoch der IQ des Anderen ist. Dass es hier um das Gemeinsam geht. Gemeinsam lernen. Ohne Druck, mit viel Freude.

In der Woche geht um vernetztes Leben: Medienethikerin Nina Köberer erzählt, dass Altenheime in Zukunft wohl mit Robotern arbeiten werden. Thomas Hüser vom Startport Duisburg sagt, dass man zur Vernetzung viel Empathie und einen gesunden Egoismus braucht. Sängerin Felicitas Meyer betont, wie wichtig es ist, bei allem Netzwerken immer bodenständig und dankbar zu sein.

Das Programm ist vielseitig. Anita wird jetzt erst richtig bewusst, in wie vielen Bereiche das Thema Netzwerken eine Rolle spielt. Das reicht von der Hochschulseelsorge bis in die Welt der Virtual Reality.

Bei jedem Referent geht es aber um mehr als um das Thema Netzwerk. Jeder erzählt, wie er zu dem gekommen ist, was er jetzt macht. Eine Referentin hat ihr Studium abgebrochen, ein anderer Referent hat das Studium inklusive Doktor zeitlich durchgeprügelt. Die Teilnehmer sehen an den konkreten Vorbildern, wie individuell unkonventionell jeder Lebensweg ist, wenn Menschen sich auf ihre eigenen Begabungen einlassen. Zwischendurch gibt es für Anita und die anderen Teilnehmer in Schreibaufgaben Zeit der Reflexion. Was will ich im Leben? Was sind meine Ziele? Was sind meine Talente?

Anitas Highlight ist der Theaterbesuch beim Stück „Ungefähr gleich“. Das Stück zeigt, wie Netzwerke sich in festgefahrene Systeme verwandeln können. Anita war noch nie vorher im Theater. Sie ist ganz verwundert, dass es in der Nebenbühne des Schauspiel Essens gar keine roten Sitze und eine hohe Bühne gibt, wie sie es aus Filmen kennt. Besonders spannend fand sie das Nachgespräch mit den Schauspielern: „Sie haben ihre Rolle sehr gut verkörpert, sind dann sofort zu uns raus gekommen und konnten darüber sprechen.“ Anita bewundert diese Begabung, die sie vorher gar nicht kannte. 

Das Thema Netzwerken ist während der fünf Tage nicht nur in der Theorie geblieben. Mit einigen Teilnehmern hat Anita ihre Nummer ausgetauscht. Sie wollen in Kontakt bleiben. Einige Teilnehmer wird sie schon im Sommer wiedersehen, auf der Straßburg-Fahrt der Wolfsburg.

Eines ihrer vielen verborgenen Talente hat Anita während der Lernferien übrigens gefunden: „Wenn ich ein Ziel habe, dann verfolge ich das und lasse es nicht mehr los.“(Kei)