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10.07.2018

Der alltägliche Islamismus. Terror beginnt, wo wir ihn zulassen - Gespräch mit der Autorin Elham Manea

Bei aller Vielfalt, die auch für den Islam gilt, weist die jemenitisch-schweizerische Autorin Elham Manea in ihrem Buch „Der alltägliche Islamismus. Terror beginnt, wo wir ihn zulassen“ auf Formen des Islam hin, die zwar ohne direkte Gewalt auskommen, aber erhebliche Gefahren für unsere Gesellschaft in sich bergen. Zu dem Gespräch hatten Die Wolfsburg und der Arbeitskreis Integration gemeinsam eingeladen.

 Manea, Tochter eines Diplomaten, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in arabischen und westlichen Ländern. Sie ist promovierte und habilitierte Politikwissenschaftlerin, engagiert sich für einen humanistischen Islam und für Menschenrechte und ist Mitbegründerin der Ibn-Rushd-Goethe Moschee in Berlin. Ausgehend von ihrem Buch „Der alltägliche Islamismus. Terror beginnt, wo wir ihn zulassen“ diskutierte sie mit Dr. Judith Wolf, stellv. Direktorin der Wolfsburg und Dr. Detlef Schneider Stengel, Geschäftsführer des Arbeitskreis interreligiöser Dialog im Bistum Essen sowie den Teilnehmenden der Veranstaltung über Phänomene des Islamismus in Deutschland.

Der Islamismus sei, so Manea, ein „rosa Elefant“, den alle sehen, aber den keiner wirklich benenne und gegen den nicht konsequent genug vorgegangen werde. Sie machte deutlich, dass es nicht nur darum gehe, den IS oder al-Qaida zu bekämpfen, sondern dass es vor allem darum gehen müsse, sich mit der gewaltlosen Form des Islamismus zu befassen. Denn diese Spielart des Islamismus sei häufig nicht nur die Grundlage für Menschen, die sich dem terroristischen Islamismus anschließen, sondern auch für radikale Tendenzen, die Grundwerte unserer Gesellschaft ablehnten und Spaltungspotenzial entfalten ohne dabei gewaltsam vorzugehen. Hier entstehe eine Gefahr für die liberalen und säkularen Werte unserer Gesellschaft, die die Würde und Rechte des Einzelnen schützen. Es sei dringend notwendig, diese Form des Islam gut zu beobachten und diesen Tendenzen klar entgegenzutreten. Die Arbeit in den Moscheen, insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit spielten hierbei eine besondere Rolle. „Wenn Muslime sich radikalisieren, ist in der Regel eine Moschee beteiligt“ so Manea.

Wie aber vorgehen? Sicherheitsmaßnahmen seien dabei der einfachere Teil. Sie lösen aber, das war Konsens an diesem Gesprächsabend, die grundsätzlichen Probleme nicht. Frau Manea warb für einen Vier-Punkte-Plan: Notwendig sei eine Zerlegung der Strukturen und des Systems, das die Ideologie und die radikalisierte Islam-Lesart verbreitet. Weiterhin gehe es um eine Integrationspolitik, die tatsächlich Integration und nicht Segregation befördere. Schließlich sei ein klares Verhältnis zwischen Staat und Religion unabdingbar. Darin müsse der Staat seine Beziehung zu muslimischen Religionsgemeinschaften regeln. Er müsse zugleich Religionsfreiheit garantieren und zur Transparenz verpflichten sowie ausländischer Moscheefinanzierung ein Ende bereiten. Viel Zustimmung fand die Forderung Maneas, Migranten muslimischen Glaubens zu allererst als Bürger zu sehen und nicht als Mitglieder einer Religionsgemeinschaft. Dieser Blick fördere Islamophobie und sei wenig hilfreich. (Wo)

Foto: Bettina von Clausewitz

Foto: Bettina von Clausewitz