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Druckdatum: 26. Mai 2019 - 13:08 Uhr
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13.02.2019

"Gesendet" - Texte aus der Schreibwerkstatt

Zur Schreibwerkstatt "Gesendet" mit unserer neuen Schreibwerkstattsleiterin, der Autorin Hanna Buiting, wählen wir einen neuen Kanal der Textpräsentation. Erstmalig kann man hier auf der Homepage einige der Ergebnisse lesen, die im Rahmen der zweitägigen Werkstatt entstanden sind. Sehr schöne, eindrückliche und zum Nachdenken anregende Texte, die auf ganz unterschiedliche Aufgaben reagieren.   Immer sind wir auf der Suche nach neuen "Mitschreibenden", die sich auf das Abenteuer "Text" einlassen möchten und nach neuen kreativen Ausdrucksformen suchen.

niemals gewalt
     frage dich, wie du das umsetzen kannst
liebevolle achtung voreinander
     wechsele die blickrichtung
mit den augen des kindes
     glaube nicht alles, was du hörst oder siehst
grausamkeit, gewalt und unterdrückung auf erden
     lass dich ein auf die hoffnung

(Helga Oberscheven)

Hintergrund dieses Textes: Verschränkung eigener Worte mit denen Astrid Lindgrens in ihrer Rede „Niemals Gewalt“ (1978)

 


      
Ein halbes Leben lang

40m in die eine Richtung
40m in die andere Richtung
Hin und her in ewiger Dämmerung
Begleitet durch ehernen Staub
Und koksdunstige Luft
Umherflirrend im tunnelnden Gang
Versteckt
Unter tonnenschwerer Last gewaltiger Bunker
Lärm, Erschütterungen kommen nicht zur Ruh‘
Tag um Tag und  Nacht um Nacht
verzehren meine Kraft

Was bleibt ist Sehnsucht
Die Sehnsucht
Eines Tages endgültig das Tor
Durchschreiten zu können
Hoffentlich gesund
In ein anderes Leben zu gehen

(Vanya)

Hintergrund dieses Textes: Schreiben zu einer Fotografie der Ausstellung „Kulturerbe Kohle Revisited“



Schreiben mit Sendungsbewusstsein

Ich bin eine Duisburgerin.
Ich lebe in dieser Stadt, seitdem ich geboren wurde.

Gibt es Gründe auf meine Stadt mitleidig und naserümpfend zu schauen?
Nein! Die Nase rümpfen, das war vor vielen Jahren hier und da verständlich, aber berechtigt war es damals wie heute nicht. Damals waren Staub und Gestank die Kollateralschäden einer produktiven, harten Arbeit, die dieses Land reich gemacht hat. „En bisschen Schwund is immer“, wie im Ruhrgebiet oft gesagt wird. „Ma nich soooo zimperlich. Den Schmutz wäschte widder ab und der Gestank verfliegt, wenn der Wind günstig steht. Muss schon wissen, watte wills.“

Ich bin eine Duisburgerin.
Ich lebe in dieser Stadt, seitdem ich geboren wurde.

Wer mitleidig auf meine Stadt schaut, der kennt sie nicht. Der hat noch nichts gehört und gesehen von den beeindruckenden Renaturierungsmaßnahmen ganz unterschiedlicher ehemaliger Industriestätten. Diejenigen wissen bestimmt nichts von der großen Vielfalt meiner Stadt und der ganzen Region von Duisburg bis Dortmund. Zahlreiche renommierte Theater, die Museen, die Kreativität, das gesamte kulturelle Schaffen entlang der A 40 und rundherum auf den Kohleflözen sucht in meinen Augen seinesgleichen.

Ich bin eine Duisburgerin.
Ich lebe in dieser Stadt, seitdem ich geboren wurde.

Ich bin stolz darauf, dass ich dazu gehöre, zu Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen; immer wieder aufstehen, trotz aller Probleme, die ein Strukturwandel mit sich bringt. Die eine raue Herzlichkeit, die aus dem Innern kommt, gepaart mit großer Offenheit allen entgegen bringen, die sich einbringen, nicht schwafeln, „Butter bei de Fische geben“ und sich nicht zu schade sind anzupacken da, wo es nötig ist.

Allen Zweiflern und Spöttern empfehle ich, auf eine unserer Halden zu steigen. Dort sich umzuschauen, die Geräusche bewusst wahrzunehmen, die vielleicht nicht ganz so reine Luft einzuatmen und ganz laut den alten Bergmannsgruß
          GLÜCK AUF                zu rufen.

(Dagmar Ohlwein)

Hintergrund dieses Textes: Schreiben mit Sendungsbewusstsein. Angelehnt an eine weltberühmte Rede.



Stein und Feder
oder:
Erinnerungen an ein Wochenende

Ein Stein auf dem Küchenbrett
der ist von Astrid
und eine Feder von Hanna
die verleiht Schreibflügel
Kastanienschale vom Waldspaziergang
wenig ist genug
die Großen der Welt mitten unter uns
eine Geschichte vom Jakobsweg
direkt ins Herz erzählt
die Gebete der anderen
und ein eigens
still in Gedanken
vertraute Gesichter
und neue
herzlich willkommen

(Beate Hofmann)

Hintergrund dieses Textes: Im Nachgang. Eindrücke und Erinnerungen an die Schreibwerkstatt „Gesendet“ in der Wolfsburg