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23.11.2018

Gespräch auf Herzenshöhe - Von der Kunst, schlechte Nachrichten gut zu überbringen

Das Überbringen schlechter Nachrichten ist eines der zentralen Themen im Alltag von Ärztinnen und Ärzten, aber treibt genauso Patienten und Patientinnen sowie Angehörige um. Es ist nicht nur grundlegend dafür, welche Therapie ein Patient wählt, sondern dafür, wie er nach einer lebensverändernden Nachricht weiterlebt. Und obwohl diese Thematik so zentral ist für den Arztberuf, werden Ärzte darauf so gut wie nicht vorbereitet.

Fragen einer guten Arzt-Patient-Kommunikation spielen in der Ausbildung fast keine Rolle. Die wichtigste Arznei des Arztes sei aber das Gespräch, so Prof. Jalid Sohuli, Direktor der gynäkologischen Klinik der Berliner Charité. Mit ihm sowie mit angehenden und erfahrenen Ärzten sprach die stellvertretende Akademiedirektorin, Dr. Judith Wolf, in der Wolfsburg genau über dieses Thema.

Kommunizieren zu können, gehört zu den wichtigsten Werkzeugen des Arztes. Dabei sei nicht die Zeit der entscheidende Faktor, so Sehouli, sondern die Zeit die da sei, müsse intensiv genutzt werden. Ein 5 Minuten-Gespräch, gut und intensiv geführt, sei für den Patienten wertvoller als ein 15 Minuten-Gespräch, in dem der Arzt dem Patienten seine Empathie nicht entgegengebracht hat, sondern sich hinter Diagnostikergebnissen und technisch klingenden Therapiemöglichkeiten versteckt hat.

Das Herz des Patienten zu erreichen, darauf komme es an, so Sehouli. Das sei auch im Medizinsystem heute möglich. Für den einzelnen Arzt bedarf es eines Rituals, sich auf ein Gespräch einzustellen. Das könne der Schluck Tee sein, das tiefe Durchatmen… Jedenfalls brauche es eine Ausbildung der jungen Ärzte mit Schauspielern, damit sie möglichst früh ein echtes Gefühl dafür bekommen, wie es sich anfühlt, Überbringer oder Überbringerin einer schlechten Nachricht zu sein.

Außerdem sei es notwendig, die jungen Medizinerinnen und Mediziner einem Mentor oder einer Mentorin gerade für diese Frage anzuvertrauen und es bedürfe eines hohen Maßes an Selbstreflexion. Schließlich, so Sehouli, müsse man dafür nicht auf eine grundlegende Änderung des Systems warten, sondern es gehe darum, dass erfahrene Ärzte vorangehen und sich im System die notwendige Zeit für das Gespräch nehmen. Die PJ-Studierenden rief Sehouli dazu auf, sich zusammenzuschließen und eine Gesellschaft junger Mediziner zu gründen, die sich die Kommunikation zum Anliegen machen, eben wirklich zur Herzensangelegenheit.