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Druckdatum: 13. Dezember 2018 - 20:56 Uhr
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16.11.2018

Herausforderung Flächenentwicklung

Wenn Ende 2018 die Steinkohlenförderung endet, bleiben riesige Flächen für neue Nutzungen zurück. Daraus ergeben sich neue Chancen: Freiflächen sind zur knappen Ressource geworden, die Wirtschaft braucht dringend neue Gewerbegebiete, aber auch die Städte brauchen neue Räume. Um gut zu planen, braucht es deshalb vor allem auch zukunftsfähige Nutzungskonzepte.

Über die Frage, wie die Entwicklung alter Industrieflächen konkret aussehen kann, welche Aufbereitung notwendig ist und was bereits jetzt konkret geplant ist, diskutierten in der Wolfsburg Markus Masuth von der RAG Montan Immobilien GmbH, der Wirtschaftsförderer Rasmus Beck und der Bottroper Oberbürgermeister Bernd Tischler mit Dr. Matthias Keidel und Martin Schröder aus dem Projekt „Glückauf Zukunft – Aus Herkunft Zukunft leben“ an der Wolfsburg.

Keine neue Herausforderung

„Wir wissen, dass es schwierig ist, alte Flächen zu reaktivieren, aber wir wissen auch, dass wir es können“, machte Tischler gleich zu Beginn der Diskussion deutlich. Allein in Bottrop sind in den letzten Jahren sechs ehemalige Bergbaustandorte einer neuen Nutzung zugeführt worden, weitere werden folgen. Im ganzen Ruhrgebiet, ergänzte Masuth, seien in den vergangenen 40 Jahren fast 9000 Hektar Bergbauflächen umgenutzt worden – die Herausforderungen seien also nicht neu, sondern lange bekannt.

Gleichwohl stellt Bottrop einen Sonderfall dar: Rund 75 Hektar freiwerdende Fläche bieten die Möglichkeit, bei der Flächenentwicklung aus dem Vollen zu schöpfen und Flächen zukünftig nicht ausschließlich industriell zu nutzen, was die Attraktivität der Stadt fördern kann. Diese Situation stelle sich mit Blick auf das gesamte Ruhrgebiet anders dar, so Beck. Von den theoretisch zur Verfügung stehenden 2000 Hektar Freifläche seien nur 50 Prozent überhaupt marktgängig, und bei einem Flächenverbrauch von 200 Hektar im Jahr steuere die Region auf einen Flächenmangel zu. Aus Sicht der Wirtschaftsförderung seien aber gerade neue Wirtschaftsflächen unbedingt erforderlich, um dringend benötigte neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Einen Gesamtblick entwickeln

Bei der Umwandlung von Flächen sei es wichtig, einerseits jede Fläche einzeln zu betrachten und genau abgestimmte Lösungen zu finden, andererseits müsse man in der Planung einen Gesamtblick entwickeln, da die Flächenentwicklung eine Gesamtstrategie sei, in der Wirtschaft, Wohnen und Grün auf gesamtstädtische Sicht berücksichtigt werden müssten. Entscheidend sei dabei, auch über einen Flächentausch nachzudenken: So betonte Masuth, man müsse prüfen, ob es sinnvoll ist, Industrieflächen für Millionenbeträge zu reaktivieren. Stattdessen könne es nachhaltiger sein, diese Flächen zu renaturieren und im Tausch dafür eine andere Grünfläche umzunutzen. Gleichwohl, so entgegnete Beck, sei es aufgrund der meist sehr guten Infrastruktur rund um die alten Industrieflächen in der Regel besser, sie einer neuen wirtschaftlichen Nutzung zuzuführen, statt Gebiete neu erschließen zu müssen. Hier sei eine genaue Abwägung der Interessen, etwa aufgrund vorgerückter Wohnbebauung, erforderlich.

Wichtig, so waren sich alle Diskussionspartner einig, sei eine Planung von Folgenutzung in enger Zusammenarbeit aller Beteiligen inklusive einer Beteiligung der Öffentlichkeit, um Möglichkeiten auszuloten und tragfähige Lösungen zu finden. Ein positives Beispiel sei das Projekt „Freiheit Emscher“, bei dem die Städte Bottrop und Essen gemeinsam mit Experten nach den besten Konzepten für einen interkommunalen Planungsraum suchen.

Das Ruhrgebiet ist auf einem guten Weg

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer auch in ihrem Resümee: Das Ruhrgebiet ist auf einem guten Weg. „Mit den Talenten, dem industriellen Kern und den tollen Menschen in der Region kann es nur aufwärts gehen“, zog Beck ein Fazit. Die Region biete für die Menschen gute Rahmenbedingungen, ihr eigenes Leben erfolgreich zu gestalten, ergänzte Masuth. Und Tischler appellierte: „Wir sind gut unterwegs, die Zukunft der Region sinnvoll zu gestalten. Wir müssen das mit mehr Selbstbewusstsein nach außen tragen“. (lk)

Fotos: Ludger Klingeberg | Die Wolfsburg