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02.10.2020

Overbeck: Solidarisches Handeln in Bildung für mehr Chan-cengleichheit

Bei der ersten öffentlichen Veranstaltung des neu gegründeten Rates für Bildung im Bistum Essen haben sich in der Wolfsburg Vertreter verschiedener pädagogischer Bereiche mit den aktuellen Herausforderungen der Bildung in Pandemie-Zeiten auseinandergesetzt.

Die Corona-Krise bietet nach Ansicht des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck die große Chance eines Fortschritts in der digitalen Bildung. „Wir können beim digitalen Lernen wegen Corona einen großen Schritt nach vorne machen“, sagte Overbeck am Donnerstag, 1. Oktober 2020, bei der Jahresveranstaltung des Rates für Bildung in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim. Nur mit solidarischem Handeln auch in der Bildung sei mehr Chancengleichheit zu erreichen und zu verhindern, dass sozial benachteiligte Kinder abgehängt werden.

Der Studientag „Digitale Bildung für alle? Benachteiligung und Chancen in Corona-Zeiten“ war die erste öffentliche Veranstaltung des 2019 neu gegründeten Rates für Bildung im Bistum Essen. Der Bischof hatte den Rat ins Leben gerufen, nachdem viele Veranstaltungen in der Bistums-Akademie „Die Wolfsburg“ gezeigt hatten, wie bedeutend die Bildung für die Entwicklung und Zukunft der Metropolregion Ruhr ist. Sprecherin des Rates ist Frau Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Mitglied des Vorstands der RAG-Stiftung.

Aufgrund der wegen der Corona-Pandemie geltenden Abstandsregelungen war die von Akademiedozent Mark Radtke moderierte Veranstaltung auf gut 30 Teilnehmer begrenzt. Darunter waren vor allem Lehrerinnen und Lehrer, Vertreter der Schulsozialarbeit sowie Mitarbeitende aus dem Sozial- und Bildungsbereich und den Erziehungswissenschaften.

Erziehungswissenschaftlerin: Zugang zu Bildung ist sozial ungleich

Die Leiterin des Forschungsbereichs „Schulentwicklung und Digitalisierung“ am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Duisburg-Essen, Dr. Manuela Endberg, führte in ihrem Vortrag aus, dass in kaum einem anderen Land der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und den schulischen Leistungen so groß wie in Deutschland ist. Die Corona-Krise habe dies noch einmal verdeutlicht und eine digitale Kluft aufgezeigt.

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft hätten während der Schulschließungen zwar die meisten Jugendlichen zuhause auf ein Handy (82 Prozent) oder einen PC oder Laptop (80 Prozent) zum Lernen zurückgreifen können, sagte Endberg. Etwa ein Fünftel der Jugendlichen hätten danach aber nicht ständig Zugriff auf digitale Endgeräte gehabt.

Zudem seien viele Kinder und Jugendliche nicht in der Lage, kompetent mit digitalen Technologien und Informationen umzugehen, sagte Endberg. Hier sei der Anteil von Schülerinnen und Schülern aus benachteiligten Familien besonders hoch. Die Forschung zeige, dass lange Phasen ohne Schulunterricht bei ihnen zu Rückschritten beim Kompetenzerwerb führten. Das Bildungssystem sei daher stark gefordert, diesem Bereich noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Corona-Zeit habe zudem offen gelegt, dass Pädagogen an Schulen auf einen Unterricht mit digitalen Mitteln häufig nicht ausreichend vorbereitet seien, führte Endberg weiter aus. Um der digitalen Spaltung entgegenzuwirken, sei es deshalb wichtig, auch die digitalen Kompetenzen von Lehrenden zu steigern.

Endberg: Chance, wichtige Änderungen und Reformen anzugehen

Die gegenwärtige Situation zeige sehr deutlich, dass eine kurzfristige Digitalisierung von Schule nicht reiche, zog Endberg Fazit. Sie biete aus Sicht der Bildungsforschung aber eine große Chance, den gesellschaftlichen Wert von Bildung – noch viel stärker als bisher – herauszuarbeiten und wichtige Änderungs- und Reformbedarfe aufzuzeigen und anzugehen.

Praktisches Rüstzeug und konkrete Methoden vermittelten zum Abschluss des Studientages drei Workshops, in denen die Teilnehmer zu Inhalten des digitalen Lernens und Maßnahmen gegen soziale Benachteiligung arbeiten konnten.