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21.03.2018

Praktikums-Blog: Immer in Bewegung bleiben

Mein Praktikum ist bereits vorangeschritten und mit ihm die Ereignisse. Jeden Tag begegnen mir in der Wolfsburg neue, interessante Menschen, Aufgaben und Herausforderungen. Die letzten zwei Wochen waren geprägt durch viel Bewegung. Ich schaue zurück auf ereignisreiche Tage, einen fordernden Alltag und prägende Begegnungen. Warum bekomme ich von einem Bergmann eine Grubenente geschenkt? Wie erleben Flüchtlinge die Wolfsburg? Und welche Zeitschrift stimmt mich bei meinen Recherchen „FROH!“? Antworten findet dieser Blogartikel- lesen lohnt sich!

Unter Tage im Projekt „Glückauf Zukunft“

Die Sonne geht über den Wiesen am Niederrhein auf. Um 6:45Uhr ist meine Heimat Xanten noch verschlafen und ruhig. Mit aller Kraft trete ich in die Pedale und gebe Gas. Mein Fahrrad ächzt, aber lässt mich nicht im Stich. Gerade rechtzeitig erreiche ich den Zug, der mich mehr oder minder pünktlich ins Ruhrgebiet fährt. Mit viel Bewegung startet jeder neue Arbeitstag meines Praktikums. In der S-Bahn begegne ich den unterschiedlichsten Kulturen aus unterschiedlichsten Lebenszusammenhängen. Immer wieder frage ich mich: Was macht diese Region aus? Warum ist der Charakter des Ruhrgebietes so einzigartig? Während der letzten zwei Wochen durfte ich das Projekt „Glückauf Zukunft“ besser kennen lernen und erste Antworten auf meine Fragen finden.

Gemeinsam mit meinem Kollegen Martin Schröder, Projektreferent für das „Glückauf Zukunft“-Projekt, besuchte ich das Trainingsbergwerk Recklinghausen. Die Oberstufenschüler des Hildegardis-Gymnasiums Bochum hatten sich bereits im Unterricht auf den praktischen Exkurs im Trainingsbergwerk vorbereitet. Die Thematik der Ewigkeitsaufgaben der RAG war mir bis dahin neu. Diese Maßnahmen der Wasserhaltung verhindern das Absacken vieler Städte im Ruhrgebiet und die Verschmutzung des Trinkwassers. Besonders beeindruckt hat mich die Mentalität und Persönlichkeit der zwei Bergmänner, die uns „ihr“ Trainingsbergwerk zeigten. Andreas Penzcek berichtete von seiner 30-jährigen Arbeit unter Tage: „Die harte körperliche Arbeit, Unfälle und schwere Arbeitsbedingungen haben uns Kumpel zusammengeschweißt. Das kann man sich wie bei einer Familie vorstellen.“ Während der Führung wurden uns die riesigen Maschinen zum Kohleabbau vorgestellt. In den Streben, bei laufender Maschine, wurde mir bewusst unter welcher Lautstärke und welchen Anstrengungen ein Bergmann arbeitet.

In diesem Jahr wird die letzte Zeche des Ruhrgebiets, Prosper-Haniel in Bottrop, schließen. Damit gehen über 150 Jahre Bergbau im Ruhrgebiet zu Ende. Der Transformationsprozess von Bergbau zur Industriekultur ist eine Herausforderung, die nur Mithilfe der Mehrheit der Gesellschaft im Ruhrgebiet gelingen kann. In einer globalisierten Welt wird das Bedürfnis nach Heimat und den damit verbundenen Werten des Ruhrgebietes nach Herzlichkeit, Verlässlichkeit und Direktheit auch in Zukunft aktuell bleiben. Deshalb möchte das Glückauf-Projekt der Wolfsburg verschiedene soziale Gruppen erreichen. Jung und Alt müssen sich der Herausforderung „Transformation“ im Ruhrgebiet stellen und Lösungskonzepte umsetzen. Der Erhalt des Trainingsberwerkes Recklinghausen könnte ein Teil dieser Transformation sein.

Zum Abschluss der Veranstaltung, schenkte mir Bergmann Oliver Schließer ein Quietscheentchen in Bergmannskluft. „Damit du uns Kumpel hier nicht vergisst!“ Das herzliche Glückauf wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Perspektivenwechsel- Besuch für die Wolfsburg

Mitte der letzten Woche wurde die Wolfsburg von ganz besonderen Gästen besucht. 18 jung und junge gebliebene Flüchtlinge aus acht verschiedenen Ländern nutzten den Betriebsausflug, um sich die verschiedenen Berufe der Wolfsburg in der Praxis anzuschauen. Das Integrationsprojekt der „kurbel“ Oberhausen/Mühlheim möchte nicht nur die Sprachbarriere durch einen Deutschkurs verkleinern. Ihr geht es vor allem darum, jeden Teilnehmer als Individuum zu fördern, Mut zu machen und den Alltag in einem neuen Land zu erleichtern. Zu Beginn des Rundgangs erklärte Wolfsburg-Dozent Matthias Keidel die Bedeutung der Kunst im Empfangsbereich. Die verschiedenen Werke der aktuellen Ausstellung „Auf Kohle“, u.a. von Gabriele Wilpers, wurden neugierig betrachtet. „Für die Wolfsburg ist es wichtig, aktuelle Themen durch Kunst anzusprechen. Unser Haus lebt von den Gedanken unterschiedlichster Menschen. Kreativität nimmt eine entscheidende Rolle ein“, so Keidel. Schnell bildeten sich drei verschiedene Sprachgruppen, in denen auf Arabisch, Englisch und einfachem Deutsch das bereits Gesagte übersetzt wurde. „Jeder soll alles verstehen können.“ berichteten die Übersetzerinnen und Mitarbeiterinnen der Kurbel.

Frau Tilgner und Frau Rasche aus dem Serviceteam der Wolfsburg erklärten der Gruppe ihre täglichen Aufgaben im Haus. Der Wäschewagen sei dabei unersetzbar. „Er hilft uns für jedes Zimmer, die richtige, saubere Wäsche auszuteilen“. Ordnung und Professionalität werde von den Gästen erwartet, aber darüber hinaus seien die gute Atmosphäre und die Freundlichkeit auch im Team von unschätzbarem Wert. Nach einer Einführung in die verschiedenen Reinigungsbereiche der Wolfsburg wurde die Küche besucht. „Hier in der Küche herrscht ein taffer Ton, denn wir haben viel Arbeit. Da muss jeder Handgriff sitzen!“, erklärte Chefkoch Adrian Völkel. Bei 200 täglichen Mittagessen und oft gebuchten zusätzlichen Buffets vor Tagungsräumen für der Gäste, dazu Abendessen und Kuchen am Nachmittag, werde hoher Wert auf Zuverlässigkeit gelegt. „Wir möchten so viel wie möglich selber herstellen, denn das schmeckt man!“ Die Qualität der Mahlzeiten sei entscheidend für den Erfolg der Wolfsburg. Eine gut organisierte Struktur helfe den acht Köchen, unter denen drei Auszubildende sind, sich besser zu orientieren. „Hier wird in anderen Dimensionen gekocht“, erklärte Völkel und zeigte den Besuchern den einen Meter langen Schneebesen, mit dem in der Großküche die größten Töpfe gerührt werden.

Ein besonderes Highlight stellte die Vorstellung der hauseigenen Kirche dar. Die erst 2013 neu eingeweihte Akademiekirche offenbart sich in ihrer Schlichtheit. Auch unter den Besuchern wurde es ganz still. „Wir sind hier an einem Ort, an dem alle Gäste und Mitarbeiter, egal welcher Konfession, eingeladen sind, Ruhe zu finden. “ erklärte Mattias Keidel. Seine Worte erhielten umso mehr Ausdruck, als er „You raise me up“ anstimmte. Die Musik blieb uns allen im Herzen und überwand so manchen Zweifel und manche Ängste. Auch das Sekretariat und der Empfang wurden mit der Gruppe besucht. Es wurde gelacht, sich ausgetauscht und informiert.

Zum Abschluss der Besichtigung trafen sich alle Besucher zu einem gemeinsamen Kaffee im „Lupus“. Das Wandportrait eines Wolfes gibt dem gemütlichen Bistro seinen Namen. „Wir merken, dass sie hier gerne arbeiten“, bestätigte eine Teilnehmerin. „Die Atmosphäre ist nett und familiär, ich würde auch direkt bei euch anfangen.“, erfahre ich von einer anderen Besucherin. Die positive Resonanz freut mich sehr, denn sie ist ehrlich und wertschätzend. Besonders beeindruckt haben mich die Mitarbeiterinnen der Kurbel, die mit viel Engagement und Freude ihren Teilnehmern helfen, in Deutschland eine neue Heimat zu finden.

Wer suchet, der findet – Recherche im Praktikum

Besonders viel Spaß machen mir die verschiedenen Recherchen, die mir während meines Praktikums anvertraut werden. Dabei kommt es nicht selten vor, dass ich auf inspirierende und neue Literatur stoße. Während meiner Literaturrecherche zum Thema „Start-ups“, für die kommende Osterakademie in den Lernferien NRW, kam mir eine Zeitschrift zwischen die Finger, die mich regelrecht an den Schreibtisch fesselte. Das Magazin für die schönen Tage des Jahres namens „FROH“ widmet sich auf poetisch-direkte Weise den Themen unserer Welt, des Alltags und der Besonderheit des Lebens zugleich. Ganz ohne Werbung! Ich möchte das Magazin gerne exemplarisch hervorheben, um das Vermögen guter Journalistik zu wertschätzen. In Zeiten, in denen die Medien stark an Vertrauen verlieren, hat mich dieses Magazin etwas beruhigt, denn auch gute Journalistik scheint nicht auszusterben. Zurzeit recherchiere ich an zwei neuen Projektideen. Es geht um Musik, Leben und Berge, aber davon handelt dann mein nächster Blogartikel.

Jenny Janßen

Besuch zur Berufsorientierung in der Wolfsburg