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24.04.2018

Praktikumsblog: Alles was bleibt

Ich schaue aus dem Fenster: Zahlreiche Äste zeigen ihre jungen Blätter und strecken sie stolz der Sonne entgegen, der blaue Himmel ist wolkenlos und die kargen Gebäude der Universität wirken weniger trostlos und kalt. Die Semesterferien in Regensburg sind vorbei, der Campus füllt sich exponentiell und immer wieder fällt die Frage: „Was hast du in den letzten zwei Monaten gemacht? Was hast du erlebt?“. Ich habe viel zu berichten, auch wenn meine Kommilitonen, hier in der tiefen Oberpfalz, meine abenteuerlichen Geschichten vom Bergbau in der Region, Podiumsdiskussionen über die Kulturdichte des Ruhrgebietes und Arbeit unter Tage mit ahnungslosem Blick erwidern. „So viel wie du erzählst, kann man gar nicht erleben!“, höre ich. Ich bin mir sicher: „Es geht!“ In meinem letzten Blogartikel für die Katholische Akademie Die Wolfsburg möchte ich zurückblicken auf prägende Wochen, starke Bilder und bleibende Erfahrungen. Was sind die Ideen von morgen? Wie wurde mir die Ehre zuteil, im persönlichen Gespräch mit der Geschäftsführerin des Gasometers die aktuelle Ausstellung „Der Berg ruft“ kennenzulernen? Warum wird mir mein Praktikum an der Wolfsburg für immer in Erinnerung bleiben? Ein Rückblick mit spannenden Antworten!

„Die Ideen von morgen. Start Ups und Gründergeist“
Ich muss gestehen, dass mir das Thema Start-Ups erstmals in der Wolfsburg begegnet ist. Als Geisteswissenschaftlerin hatte ich mich zuvor wenig mit den aktuellen, wirtschaftlichen Trends und Zukunftsvisionen auseinandergesetzt. Wem der „Elevator pitch“ ebenso wenig sagt wie mir zu Beginn der Osterakademie, darf beruhigt weiterlesen. Gefördert durch die Lernferien NRW, richtete die Wolfsburg in langer Tradition die Osterakademie aus, mit dem Hintergrund, begabte Jugendliche in der Region besonders zu fördern. Als „Strebercamp“, vom einen oder anderem Teilnehmer vermutet, stellte sich die einwöchige Begabtenwoche als eine einzigartige Möglichkeit heraus, sich und andere neu kennen zu lernen. Die erste Station der Lernferien fand nicht am Schreibtisch statt, sondern in luftigen Höhen. Der hauseigene Hochseilgarten brachte ganz eigene Herausforderungen. Höhenangst wurde gemeinsam bezwungen und der freie Fall aus 6 Metern Höhe erfolgreich absolviert. Bei letzterem schwand meine Schwindelfreiheit schneller als das „Amen“ in der Kirche. Mit der ganzen Überzeugungskraft der Gruppe gelang mir, nach wirklich ängstlichen Minuten, glücklicherweise der Sprung.

Gemeinsam haben wir uns in der Osterakademie ausführlich mit dem Thema „Start-Ups und Gründergeist“ auseinandergesetzt. Besonders gut sind mir die zahlreichen Exkursionen in Erinnerung geblieben. Wann bekommt man schon die Chance, in echte Start-Up Unternehmen hineinzuschnuppern? In Arndt Zinns neuer Firma „Zoliton“ wurde unsere Akademie mit Bionade und leckeren Snacks empfangen, während die reflact AG die Jugendlichen mit neuester Technik begeistern konnte. Durch eine spezielle 3D-Brille wurde ein Hologramm in den Raum projiziert und durch bestimmte Gesten ließ sich das Programm bedienen. Eine virtuelle Reise um die Welt ist bereits heute möglich. Der große technologische Fortschritt hat mich überrascht und nachdenklich gestimmt. Welche Möglichkeiten wird es in 10 Jahren geben, wenn es bereits heute möglich ist, virtuelle Welten mit der gelebten Realität zu vernetzen?

Ich erinnere mich gerne zurück an die eigens vorbereitete Nachtführung durch die Zeche Zollverein. Zusammen mit meinem Kollegen Martin Schröder im Projekt „Glückauf Zukunft - Aus Herkunft Zukunft leben“ organisierten wir eine abwechslungsreiche Führung über das Zechengelände. An verschiedenen Stationen versuchten wir die Jugendlichen für die neuen Hotspots der Gründerszene an der Zeche Zollverein zu begeistern: Mit Erfolg! Der Zechenrundgang war meine erste Möglichkeit eine Führung selber mitzugestalten und vor Ort umzusetzen.

Die fünf intensiven Tage gingen viel zu schnell zu Ende. „Ich hätte wirklich nicht gedacht, wieviel Spass diese Woche macht“, stellten viele der Jugendlichen fest. Das positive Feedback am Ende der Akademie sind die Früchte vollen Engagements und Einsatzes. Alles was bleibt? Darauf antworte ich jetzt: mehr Selbstvertrauen in die eigenen Stärken, viel Input und wichtige Kontakte. Die Osterakademie 2018 war ein voller Erfolg!

„Der Berg ruft“

Es ist dunkel. Eis und Gestein scheinen die Fassade des wichtigsten Naturphänomens der Alpen zu bilden. Die scharfen Kanten und Konturen sind Zeugen einer Naturgewalt. Seitdem es die Menschheit gibt, fasziniert sie uns: Die Welt der Berge!

Zum Ende meines Praktikums durfte ich meinen Mentor Dr. Matthias Keidel bei der Vorbesprechung neuer Veranstaltungen der Wolfsburg in Kooperation mit dem Gasometer Oberhausen begleiten. In den Räumlichkeiten des Gasometers wurden wir bereits von der Geschäftsführerin Jeanette Schmitz erwartet. In angenehm konzentrierter Atmosphäre fand ich nicht nur heraus, dass die Designerkaffeekanne mit einem nötigen Maß an Fingerspitzengefühl zu gebrauchen sei, nein, das gemeinsame Spinnen neuer Veranstaltungsideen stand im Zentrum des gegenseitigen Austausches. Die präzise Arbeitsweise, das Zuspielen neuer Ideen in eine professionelle Vernetzung konkreter Kontakte haben mich beeindruckt.

Besonders dankbar bin ich für die anschließende, persönliche Rundführung in der Ausstellung des Gasometers. Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage: Was bedeuten die Berge der Welt für uns Menschen? In einzigartigen Fotografien und ergreifenden Naturfilmszenen spiegelt „Der Berg ruft“ unsere Sehnsucht nach „Höherem“. Das abwechslungsreiche Thema beschäftigt sich mit den legendären Erstbesteigungen der berühmten Berggipfel der Erde, der Verehrung unterschiedlichster Religionen, sowie der Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt. Als Höhepunkt der Ausstellung kann sicherlich die monumentale Skulptur des Matterhorns genannt werden.

Unter der atemberaubenden Skulptur erfuhr ich von Frau Schmitz die verschiedenen Bedeutungen der bewegten Bilder. Im Wechsel zeigt sich der Berg in verschiedenen Tages- und Jahreszeiten und zeichnet die möglichen Bergsteigerrouten mit leuchtenden Lichteffekten ein. „Würden Sie gerne einmal das Matterhorn besteigen?“, fragte ich. Nach kurzem Überlegen erklärte mir Frau Schmitz die Risiken einer solchen Bergbesteigung. Das Matterhorn zeichnet sich durch einen der gefährlichsten Aufstiege aus, der bis heute jährlich Tote fordert. „Viele Wanderer unterschätzen die Höhe und die Anstrengungen, die ein solcher Aufstieg bedeutet. Eine Bergtour auf das Matterhorn kann ich mir, in meiner jetzigen Lebenssituation, mit Familie, nicht vorstellen“, erfahre ich von der Geschäftsführerin. Trotzdem sei das Wandern ein großes Hobby: „Es gibt zum Glück noch mehr Berge, als das Matterhorn.“

Der ereignisreiche Tag in Oberhausen hat mir gezeigt, wieviel Hingabe und Leidenschaft im Detail für die renommierte Ausstellung „Der Berg ruft“ steckt. Wir Menschen sind zu beeindruckenden Werken fähig!

Rückblick: Alles was bleibt

In Ruanda begegnete mir die Weisheit: „Erinnerung ist Tugend“. Und so sehe ich das Ende meines Praktikums als Anfang neuer Begegnungen, neuer Gedanken und Motivationen. Ich darf behaupten, gewachsen zu sein in den letzten zwei Monaten. Die neuen Erfahrungen und Erlebnisse erzeugen einen Nachhall, der auch in Regensburg nicht zu überhören ist.

Alles was bleibt, ist der Dank für: meinen Mentor Dr. Keidel, der es schafft, mit seiner Begeisterungsfähigkeit Jung wie Alt im Herzen zu erreichen und mir einen einzigartigen Einblick in die Akademiearbeit ermöglichte; meinen Kollegen Martin Schröder, der mich professionell beim Schreiben journalistischer Texte gecoacht hat und mit seiner Aufrichtigkeit den Charakter des Ruhrgebietes leben kann wie kein Zweiter; Frau Hofbeck und das ganze Team im Erdgeschoss, deren Organisationstalent und gemütliches Frühstück ich bewundere; meinen größten Fan Frau Schmaler, die jeden meiner Blogartikel mit größter Begeisterung gelesen hat. Einen großen Dank an das Küchenteam und die Hauswirtschaft für die exzellente Verpflegung, die ich seit Semesterbeginn wirklich vermisse und zu guter Letzt an Herrn Dr. Schlagheck, ohne dessen Zustimmung mein Praktikum nicht möglich gewesen wäre.

Ich wünsche euch und Ihnen Allen: Zuversicht, Zufriedenheit und Gottes Segen!
Jenny S. Janßen

v.l.n.r.: Dr. Matthias Keidel, Jenny Janßen, Martin Schröder