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01.07.2019

Stabwechsel in der Wolfsburg

Der langjährige „Wolfsburg“-Chef Michael Schlagheck wurde am Donnerstagabend von Bischof Overbeck, Generalvikar Pfeffer und vielen Gästen verabschiedet. Zugleich wurde die neue Akademiedirektorin Judith Wolf in ihrem Amt begrüßt.

Mit einem stimmungsvollen Gottesdienst, drei kurzen Ansprachen und einer fröhlichen Gartenparty hat das Bistum Essen am Donnerstagabend den langjährigen Direktor der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“, Michael Schlagheck, verabschiedet. Zugleich begrüßten Bischof Franz-Josef Overbeck, Generalvikar Klaus Pfeffer und hunderte Gäste Judith Wolf als neue „Wolfsburg“-Direktorin – und erste Frau in diesem Amt.
Männer und Frauen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, den Kirchen, Hochschulen, Gesundheits- und Kultureinrichtungen aus dem Ruhrgebiet und weit darüber hinaus waren der Einladung in die „Wolfsburg“ gefolgt. „Du bist wirklich ein Netzwerker“, rief Generalvikar Klaus Pfeffer vor diesem Hintergrund Schlagheck anerkennend zu, „hier ist nicht nur das klassische Kirchenpublikum. Das zeigt, welche Verdienste du für das Bistum erworben hast.“ Auch Bischof Overbeck nannte Schlagheck einen „Freund der Vernetzung“, der der „Wolfsburg“ in seiner 24-jährigen Amtszeit als Akademiedirektor seinen Stempel aufgedrückt und sie „als einen Ort wichtiger Querschnittsaufgaben profiliert“ habe. Inhaltliche Tabus gebe es in der „Wolfsburg“ nicht. „Auch nicht einfach fertige Antworten, sondern das Hören und das Befragen der Tradition, der Gegenwart sowie der Zukunft, um eben den rechten Geschmack an den Fragen und das rechte Licht für mögliche Antworten oder Horizonte zu finden.“ Overbeck verwies auf Schlaghecks „Leidenschaft für die Komplexität des Ruhrgebiets, aber auch des kirchlichen Lebens vor Ort und in Deutschland“. Der Bischof erinnerte an sein Engagement für die Neugestaltung der Akademiekirche sowie zuvor für die kirchlichen Beiträge im Kulturhauptstadtjahr 2010 und zuletzt beim Abschied von der Steinkohle.

Pfeffer wies auf Schlaghecks Leitspruch für die „Wolfsburg“ hin: „Im Gespräch über die wichtigen Fragen.“ „Das klingt zunächst banal, ist aber ganz schön schwer“, so der Generalvikar. Denn dazu gehöre „zuzuhören und zu versuchen, auch in der Position des Anderen Wahrheit zu entdecken“. In der „Wolfsburg“ gelinge dies in umstrittenen kirchlichen wie in schwierigen gesellschaftlichen Fragen: „Hier ist ein Ort, wo die freie Luft weht, um wirklich ins Gespräch zu kommen.“ Mit dieser Offenheit habe die Akademie auch das Bistum geprägt: „Ein Ort, an dem man angstfrei miteinander reden kann.“

„Ich lebe wirklich gern im Ruhrgebiet, weil es so vielgestaltig ist“, bekannte der scheidende Akademiedirektor Schlagheck und ergänzte selbstbewusst: „Es gibt viele Begegnungsorte im Ruhrgebiet, doch das Besondere an der Wolfsburg ist, dass hier so viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen, die sich nicht schon aus anderen Zusammenhängen kennen.“ Die Freiheit, die die „Wolfsburg“ – dank Bischof Overbeck und Generalvikar Pfeffer – in ihrer Arbeit genieße, „hat hier im Haus viel Kreativität freigesetzt“, sagte Schlagheck. Eine Freiheit, „um die mich Kollegen aus anderen Diözesen oft beneidet haben“.

Ab Montag wird Judith Wolf, die erste Direktorin der „Wolfsburg“ sein. „Ich weiß, dass die ,Wolfsburg‘ unter deiner Leitung offen, kommunikativ und leidenschaftlich sein wird“, sagte Schlagheck, der sich über die Berufung seiner Stellvertreterin „sehr gefreut“ habe. Dass Wolf, die seit 1999 in der Akademie arbeitet und seit neun Jahren als stellvertretende Leiterin, Schlaghecks Nachfolgerin wird, sei keineswegs ausgemacht gewesen, betonte der Generalvikar. „Sie mussten sich ins Rennen werfen. Heute sind wir sehr davon überzeugt, dass Sie die richtige an der Spitze der „Wolfsburg“ sind. Bischof Overbeck sagte: Wolfs „langjährige Tätigkeit und Erfahrung in der ,Wolfsburg‘, ihre selbstständige und profilierte Arbeitsweise sowie ihr sozialethisch geprägtes Denken zeigen an, wofür unsere Akademie weiterhin stehen wird: Salz des Evangeliums mitten in den gesellschaftlichen, sozialen und kulturpolitischen Debatten unserer Zeit und Licht als Wegweisung für konfliktäre und herausforderungsvolle, ethische, rechtliche und theologische Entwicklungen unserer Tage zu sein.“ Auch unter Wolfs Leitung möge die Arbeit der Akademie „weiterhin getragen sein von dem Bewusstsein, auf diese Weise lebendige Kirche mitten im Ruhrgebiet zu sein“.
„Treten Sie nicht in die Schuhe von Michael Schlagheck, sondern gehen Sie Ihren ganz eigenen Weg."
Wolf konnte da problemlos zustimmen. Sie freue sich darauf, in der Akademie „Dialogräume offenzuhalten“ – und in diese Dialogräume die christliche Perspektive einzubringen: „Nicht als Totschlagargument, sondern als Beitrag zu einer Debattenkultur, in der das Religiöse mit Blick auf den Menschen dazugehört.“ Und mit Blick auf ihren langjährigen Vorgänger gab Generalvikar Pfeffer Wolf mit auf den Weg: „Treten Sie nicht in die Schuhe von Michael Schlagheck, sondern gehen Sie Ihren ganz eigenen Weg. Die Geschichte geht jetzt weiter – und wir freuen uns sehr darauf!“

Text: Thomas Rünker/Bistum Essen
Fotos: Nicole Cronauge/Bistum Essen

Fotos: Nicole Cronauge/Bistum Essen