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Druckdatum: 26. Juni 2019 - 22:14 Uhr
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13.02.2019

Studientag „Facetten von Einsamkeit. Die unerkannte Herausforderung unserer Zeit“

Einsamkeit als Erleben sozialer Isolation betrifft Menschen aller Altersgruppen und sämtlicher sozialer Schichten. Sie führt - häufig unerkannt - zu Niedergeschlagenheit, Ängsten, chronischer Erschöpfung, Depressionen, im schlimmsten Fall gar zum Suizid. In Kooperation mit der Telefonseelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen sowie dem Caritasverband für die Stadt Essen ging die Wolfsburg aus ganz verschiedenen beruflichen Blickwinkeln heraus den brennenden Fragen nach den Ursachen, Symptomen und möglichen Lösungsansätzen von bzw. für Einsamkeit nach:

Welche Faktoren führen zur Einsamkeit? Wer ist besonders von ihr gefährdet? Welche Unterstützung können Beratung und Seelsorge einsamen Menschen gewähren, wo sind ihr Grenzen gesetzt? Welche Lösungsansätze für die Bewältigung von Einsamkeit können Kommunalpolitik und sozialraumorientierte Stadtplanung bieten? Und: Sind in der Einsamkeit womöglich geistige bzw. geistlich-spirituelle Ressourcen angelegt, die schöpferische Potenziale entfalten können?

Dieser letzten Frage ging der Benediktinermönch Br. Thomas Quartier OSB von der St. Willibrordsabtei im niederländischen Doetinchem in seinem Eröffnungsvortrag nach. Gefühle von Einsamkeit, verstanden als soziale Isolation, können im Kloster zwar nicht beseitigt, dafür aber „geheiligt“, d.h. „nach oben geöffnet“ werden. Indem man verschiedene Facetten von Einsamkeit betrachtet, könne man sich selber akzeptieren, auf andere zugehen und sich Gott öffnen. 

Die rund 80 Teilnehmenden, darunter etwa 30 Ehrenamtliche aus der Telefonseelsorge, widmeten sich anschließend in fünf parallel verlaufenden Workshops dem Thema Einsamkeit aus den Blickwinkeln ganz unterschiedlicher beruflicher Professionen: Der Arbeit mit alten Menschen (Leitung: Helga Nottebohm, Geschäftsführerin im Seniorenbereich, Contilia-Gruppe), der Quartiersentwicklung am Beispiel des Intergenerativen Zentrums IGZ Dülmen (Leitung: Cäcilia Scholten, Geschäftsführerin des IGZ), der Arbeit mit Migranten (Dr. Agnieszka Bitner-Szurawitzki, Koordinatorin Ehrenamt Flüchtlingshilfe bei cse gGmbH sowie Markus Siebert, Teamleiter Integration und Migration bei cse gGmbH), der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (Leitung: Gisela Vogler) sowie der Telefonseelsorge (Leitung: Peter Heun, Leiter der Kath. TelefonSeelsorge Essen).

Das abschließende Podiumsgespräch mit dem CDU-Abgeordneten Marco Schmitz MdL (stv. Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landtages NRW), Luidger Wolterhoff, Sozialdezernent der Stadt Gelsenkirchen und Dr. Björn-Enno Hermans (Direktor des Caritasverbandes für die Stadt Essen) lotete landes- und kommunalpolitische Optionen im Kampf gegen die Vereinzelung insbesondere älterer Menschen aus.

Fest steht, dass Einsamkeit als gesamtgesellschaftliches Phänomen eher zunehmen als abnehmen wird. Von Politik und Kommunen gefördert, entstehen inzwischen vielversprechende Bauprojekte, wie z.B. das Intergenerative Zentrum („Ein Raum für alle“) in Dülmen, bei dem Kirche und Kommune eng zusammenarbeiten und in dem durch verschiedene Begegnungs- und Mitmachangebote der Vereinsamung vorgebeugt werden soll. Eine gute Vernetzung von politischen Initiativen, kommunalen Stellen, Wohlfahrtsverbänden, Seelsorge- und Beratungsstellen sowie zivilgesellschaftlichen Projekten bietet hier eine Fülle von Handlungsoptionen, die es zukünftig noch auszubauen gilt. (Ob)